Zurückliegende Veranstaltungen des laufenden Jahres

Dienstag, 08. Juni 2021,

Die Gärten von Ermenonville

In einer Zeit, in der wir uns nicht wie gewohnt zu Veranstaltungen über Themen der Gartenkunst treffen und gemeinsam Exkursionen in historische Gärten unternehmen können, werfen wir unseren Blick zurück auf Höhepunkte vergangener Jahre. Auf unserem Programm steht diesmal der weltberühmte Garten von Ermenonville, rund 50 km nordöstlich von Paris gelegen.

Der Marquis René Louis de Girardin hatte ihn in den Jahren 1769 - 1776 geschaffen. Die Pappelinsel, auf der der Philosoph Rousseau seine erste Ruhestätte fand, erlangte Berühmtheit und wurde als ein Sinnbild der neuen landschaftlichen Gartenkultur in vielen Gärten Europas nachgestaltet und zitiert.

Im Jahre 2007 hatten wir das Mitteilungsheft dem Garten von Ermenonville gewidmet. Uns ging es seinerzeit auch darum, auf diese damals ziemlich vernachlässigte Gartenanlage ein größeres Publikum aufmerksam machen und so zu helfen, das Interesse an der Rekonstruktion dieses bedeutenden Denkmals der frühen Landschaftsgartenkunst zu wecken. Wir wollen nun den Band "Die Gärten von Ermenonville" in digitalisierte Form allgemein zugänglich machen und an unsere gemeinsamen Beschäftigungen mit diesem Garten und die früheren Exkursionen erinnern.

 

Auf dem Lande lernt man die Menschen

lieben und schätzen, in der Stadt

lernt man sie verachten.

J. J. Rousseau

 

Pappelinsel mit dem Rousseau-Grab und dem Tempel der Philosophie im Bildintergrund (Foto: Michael Niedermeier, 2005)

 

 

Georges Louis Le Rouge: Le Jardin D'Ermenonville levés sur le Lieux par le Rouge. Ing. en 1775

 

 Mitglieder der Reisegruppe der Pückler Gesellschaft am Eingang zum Park von Ermenonville (Foto: Bernd Cronjäger, 2018)


Prof. Michael Seiler und die Pückler-Freunde vor dem Tempel der Philosphie (Foto: Bernd Cronjäger, 2018)

 

Dr. Axel Klausmeier und Dr. Annette Dorgerloh beim  Entziffern der Inschrift auf dem arkadischen Gedenkstein (Foto: Michael Niedermeier, 2005)

Hier liegt George-Friederich Mayer, aus Straßburg geburtig, er war ein geschickter mahler und ein redlicher mann.

(G.F. Mayer [1735-177] war der geschätzte Hauslehrer von Girardin, den er auch im Deutschen unterrichtete.  Wie der Marquis wohnte er in Ermenonville im Schloß. Als er 1779 starb, erhielt er - wie der ein Jahr vor ihm verstorbene Philosoph und Botaniker J.J.Rousseau - sein Grab im Garten)

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Dienstag, 25. Mai 2021,

Seifersdorfer Tal. Marcus Becker: Unsere Exkursion(en) 2005, 2007 und 2011

Lesend ins Seifersdorfer Tal

 Liebe Mitglieder und Freunde der Pückler Gesellschaft

 das Seifersdorfer Tal war und ist für mich ein magischer Ort, wohl würdig, in die Arte-Reihe der „Magischen Gärten“ aufgenommen zu werden. Vor vielleicht zwanzig Jahren war ich zum ersten Mal dort, im Kopf fotografische Ansichten, vor allem aber die berühmten Kupferstiche Johann Adolph Darnstedts, die Wilhelm Gottlieb Beckers, des umtriebigen Protagonisten des Gartenenthusiasmus am Ende des 18. Jahrhunderts, Gartenführer von 1792 illustrieren. Der Bus fuhr von Dresden nach Nordosten durch die Dresdner Heide und vorbei an der Brauerei in Radeberg, woher das Bier kommt (und nicht aus der Semperoper, wie die Werbung suggeriert), und setzte mich mitten in Seifersdorf ab. Von hier hieß es, zu Fuß zum Tal zu wandern. Aber wo um Herrgottswillen sollte in dieser sanften Hügellandschaft der tiefe und enge Talgrund des Flüsschens Röder sein, an dessen Ufern Johanna Christina Margaretha – Tina! – und Hans Moritz von Brühl ab 1781 ihren empfindsamen Garten angelegt hatten? Der Weg führte aus dem Dorf hinaus, schlängelte sich durch Felder, rechts und links schlanke Obstbäume, lief auf ein Wäldchen zu, in das Wäldchen hinein und senkte sich plötzlich, während auf den immer steileren Hängen zu seinen Seiten die Baumriesen immer höher hinaufragten. Mit wenigen Schritten befand ich mich in einem dunklen Wald, lief an der „Quelle der Vergessenheit der Sorgen“ vorbei, bis der sich immer weiter absenkende Weg im rechten Winkel auf den lichten Talgrund traf. Vor mir öffnete sich ein klassischer „locus amoenus“, ein lieblicher und angenehmer Ort, und ein, wie die Wissenschaft formulieren würde, Heterotop, ein Ander-Ort, an dem eigene Gesetze gelten und der wahrlich einen solchen Initiationsweg verdiente.

Dieser erste Weg ins Seifersdorfer Tal hat sich mir tief eingeprägt. Er gehört zum intimen Schatz unvergesslicher privater Gartenerfahrungen, den jeder und jede individuell in sich trägt, für mich vergleichbar etwa mit dem verwunschenen Schlosspark von Marquardt, den ich als Kind barfuß von der Badestelle aus erkundete, dem ersten Besuch im Berliner Schulenburgpark, als die tiefstehende Sonne eines späten Sommernachmittags durch die Platanen auf die Wasserspiele des Märchenbrunnens fiel, oder der meditativen Wanderung mit den Pücklers auf dem fünf Meilen langen schnurgeraden Broad Ride im englischen Cirencester.

 

Ich war noch oft im Seifersdorfer Tal, allein, mit Freunden, Kolleginnen und Kollegen, keinesfalls zu vergessen, mit den Pücklers. Die Fotos, die hier zu sehen sind, mögen für so einige unsere Besuche von 2005, 2007 oder 2011 in Erinnerung rufen. Immer spielten, wie bei jedem Gang in jeden Garten, die Jahres- und Tageszeit, das Wetter und nun auch der Klimawandel ihre Rolle. Eines Hochsommers hatte ich die Aufgabe, die einst über 40 Gartenszenen mit den Überresten ihrer Staffagebauten und Monumente für ein Forschungsprojekt durchzufotografieren. Es goss in Strömen, aber am Abend ging mein Zug zurück nach Berlin. Das Wasser floss in Strömen die Hänge des Tals hinunter, ich glitschte teilweise auf allen vieren die steilen Pfade entlang, die weißen Flecken auf meinen Fotos waren die Reflexe des Blitzlichts in den Regentropfen, ich hatte keinen trockenen Fetzen mehr am Leibe (ebenfalls ein unvergessener Besuch; die entstandenen Fotos selbstredend nicht zu verwenden).

Seit 1990 hat sich der Verein Seifersdorfer Thal e.V. unermüdlich um diesen einzigartigen frühen Landschaftsgarten gekümmert und dabei manche herben Rückschläge einstecken müssen. Getrost dürfen seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter den Gedenkstein „Den freundlichen Pflegern dieses Thales“ von 1824 nun als sich selbst gewidmet betrachten (https://tinathal.org/ – Sie können auch spenden…!) Hochwasser ließen die muntere Röder zum Ungeheuer werden, das die Anlagen an den Ufern verwüstete, aber völlig unerhört und nie bisher gesehen war der Tornado am Pfingstmontag 2010, der aus dem Baumbestand der Hänge ein Mikadospiel für Giganten machte. Bei unserem Besuch 2011 lagen noch unzählige der Stämme, für schweres Gerät kaum erreichbar, wild durcheinander, und der Charakter des Tales hatte sich verändert. Manche Partie sah nun wieder aus wie auf den Kupferstichen Darnstedts mit ihrem lichten (und jungen) Baumbestand. Den größten Schock aber bereitete mir der Zustand des einst mystischen Waldes, durch den beim ersten Besuch mein Seifersdorfer Initiationsweg geführt hatte. Das hohe Kronendach war zerlöchert, das Sonnenlicht fiel breit auf den Weg, nicht wenige Hangstellen waren völlig kahl. Der Zauber stellte sich nicht mehr ein. Hochwasser, Tornado, Klimawandel.

Ach ja, apropos Darnstedt und Beckers „Seifersdorfer Thal“ von 1792. Noch immer können wir, liebe Pücklers, nicht auf gemeinsame neue Gartenexkursionen gehen. Was tröstet? Erinnerungen an frühere Besuche mittels Fotos? Ein bisschen. Hier ein weiterer Vorschlag: Stellen wir uns an wie die Gartenenthusiasten des späten 18. Jahrhunderts! Das Seifersdorfer Tal war weiland hochberühmt – das sollte es auch sein, hatten doch die Brühls all ihre kargen finanziellen Mittel auf die Anlagen verwendet, um mit dem modischen Medium Gartenkunst den ramponierten Ruf ihrer Familie wiederherzustellen. Aber nur vergleichsweise wenige Besucher und Besucherinnen fanden ihren Weg auch tatsächlich nach Seifersdorf. Goethe und Schiller lästerten über Tina, schickten aber nur Wieland als Weimarer Kundschafter. Tout le monde redete und urteilte über den Garten, scheute aber die beschwerliche Kutschfahrt, las lieber über die Anlagen und betrachtete ihr Bild im Kupferstich. Der ehrliche Gottlob Heinrich Rapp gab das im „Taschenkalender auf das Jahr 1795 für Natur- und Gartenfreunde“ auch unumwunden zu: „Betröge ich mich zuweilen in meinem Urtheil, so falle es den Kupfern zur Last, die mich die Sache so sehen lassen, wie ich sie jezt sehe, da ich das Vergnügen entbehren muß, in diesem schönen Hain selbst lustzuwandeln.“ Und um Seifersdorf zu besichtigen, müsse man, wie Heinrich August Ottokar Reichard 1793 in seinem „Guide des Voyageurs en Europe“ behauptete, Beckers Gartenbeschreibung zur Hand haben. Oder man blieb gleich im Fauteuil sitzen.

Wilhelm Gottlieb Beckers (keine Verwandtschaft!) „Das Seifersdorfer Thal“ von 1792 finden Sie hier mit allen Kupferstichen Johann Adolph Darnstedts bequem als pdf. Wer weiter in die literarischen Imaginationswelten der Gartenenthusiastinnen und -enthusiasten dieser Zeit eintauchen möchte, findet auch gleich hier den passenden Lesestoff, denn Becker hat, um die 176 Seiten zu füllen, ausführlichste Auszüge aus den Büchern mitgeliefert, aus denen die Brühls ihre programmatischen Gartenszenen entwickelt hatten: Gedichte von Petrarca, Romane von Laurence Sterne, Erzählungen von Jean-Francois Marmontel… Und wer immer noch nicht genug hat, kann sich zur Geschichte des Seifersdorfer Tals unkompliziert einen Überblick mit dem sehr guten Wikipedia-Artikel verschaffen (https://de.wikipedia.org/wiki/Seifersdorfer_Tal) oder mag sich, wenn er oder sie Lust hat, mit der Geschichte auch nur einer der Gartenplastiken des Tals beschäftigen, mit dem kleinen gusseisernen Amor, der zwei Sanduhren in die Höhe reckt (hier auch als pdf in zwei Kapiteln meiner Studie zu Antikenkopien, die um 1800 u.a. als Gartenplastiken Verwendung fanden). Zum Schluss sei gesagt: den Amor haben wir uns auch schon gemeinsam im Seifersdorfer Tal angeschaut, seinen hölzernen Tempel aber hatten Besucher schon in den 1870er Jahren abgebrannt…      

(Fotos von Marcus Becker, Michael Niedermeier, Christa Hoffmann)

Amortempel ohne Tempel, aber mit Amor

Anna Amalia im lichten Frühling

Blick ins Tal

 

Blick von der Schöpfe-schweigend-Quelle zum Denkmal des Vaters der Gräfin

 

Den freundlichen Pflegern dieses Thales

 

Der Einfall muß die grammatische Unrichtigkeit entschuldigen (Körner 1787)

 

Die Pücklers am Altar der Tugend

 

Die Pücklers dokumentieren (2007)

 

Die Röder (friedlich) (2005)

Heitere Diskussion mit Kathrin Franz (2011)

Hermanns Denkmahl - 1 Die Pücklers (Michael Seiler) sind unten

Hermanns Denkmahl - 2 Pücklers sind oben

 

Nach dem verheerenden Tornado vom Pfingstmontag 2010: furchbare Zerstörung des wiederhergestellten Landschaftsdenkmal. Die Exkursionsteilnehmer sahen 2011 die Katastrophe und staunten über die wiedergewonnene Energie der Gartenfreunde, die den Mut nicht verloren hatten und mit der Rekonstruktion erneut begonnen haben.

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Samstag, 17. April 2021,

Der Röhrsdorfer Grund. Unsere Exkursion 2011 und unser Bd. 27 der Mitteilungen der Pückler Gesellschaft

Liebe Gartenfreunde und Mitglieder,

wie im Newsletter skizziert,  wollen wir trotz der gegenwärtigen Bedingungen, die uns daran hindern, miteinander auf Gartenexkursionen zu gehen, in unserem Programm fortfahren. Wir möchten dabei auch an frühere Gartentouren erinnern, die wir gemeinsam unternommen hatten, um uns vor Ort zu informieren über den Stand von Rekonstruktionen historischer Gartenanlagen. Diesmal richten wir unser Augenmerk auf die Anlage "Röhrsdorfer Grund", die wir im Juli 2011 besuchten. Die ersten Rekonstruktionsmaßnahmen im damals noch im Dornröschenschlaf liegenden empfindsamen Garten "Röhrsdorfer Grund" nahmen wir später zum Anlaß, ein Bändchen unserer Mitteilungen der Pückler Gesellschaft zu drucken, auch um dadurch, die Initiativen vor Ort zu unterstützen.  . Der Arbeitsrkreis Röhrsdorfer Grund im Heimatverein Ortschaft Röhrsdorf e.V. haben wir dann eine größere Anzahl der Drucke zu Verfügung gestellt, um so die Initiative vor Ort zu unterstützen.

 

Anhang:

Mitteilungen der Pückler Gesellschaft Bd. 27 (2013)

Anja Eppert: Der Röhrsdorfer Grund. Auf den Spuren einer der ältesten landschaftlichen Anlagen Sachsen / Georg Engert: Der Röhrsdorfer Grund. Dresden (1912). Vorworte: Michael Niedermeier/ Dietmar Neumann. Redaktion: Michael Niedermeier. Gestaltung Frank Singhof

 

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Dienstag, 30. März 2021,

Newsletter Pückler Gesellschaft

Liebe Pückler-Freundinnen und -Freunde,

wir hoffen, Sie alle sind gut in das neue Jahr gekommen – und weil uns wohl kaum etwas dringlicher beschäftigt, wünschen wir, es möge für uns alle ein gesundes neues Jahr bleiben und werden.

Welche Möglichkeiten haben wir, unsere Satzungsziele unter den Bedingungen der anhaltenden Pandemie zu verfolgen? Was können wir fortsetzen? Wie können wir das tun? Und können wir vielleicht Neues beginnen?

En plein air – die Befreiung vom Atelier genießen wir in der Landschaftsmalerei seit Constables Wolkengebirgen über der Weymouth Bay. Die Befreiung von geschlossenen Räumen genießt die Pückler Gesellschaft seit ihrer Gründung als besonderen Vorzug, mal mit, mal ohne sich auftürmende Wolkengebirge. Glücklicher Umstand, dass ihr Zweck die Erhaltung und Erforschung der Garten- und Landschaftskunst ist. Das hat sie vor anderen Gesellschaften voraus, die in dieser schwierigen Zeit nicht einfach ‚im Freien‘ ihre Ziele verfolgen können.

In Fortsetzung der Veranstaltungsreihe „Erhalten oder Gestalten?“ ist an eine Pleinair-Diskussion mit Prof. Adrian von Buttlar gedacht. Am liebsten würden wir uns dazu in einem Garten treffen. Rekonstruktion in der Gartendenkmalpflege bleibt also unser Thema. Nachdem wir im Januar 2020 den gut besuchten Auftakt mit Dr. Harald Blanke über Hundisburg hatten, wurden wir im September in Sanssouci durch Dr. Jörg Wacker mit den Problemen der Rekonstruktion an einem praktischen Beispiel vertraut gemacht. Urteilsfähig können wir in dieser Frage nur werden, wenn wir den Austausch mit Expertinnen und Experten, Praktikern und Praktikerinnen pflegen. Urteilsfähig müssen wir aber auch sein, weil es um eine Kernfrage im Umgang mit historischen Gärten geht.

Dass Gartendenkmalpflege keine leichte Aufgabe ist, haben wir 2016 in Portugal gesehen. Die Befreundung mit dieser wenig gekannten Gartenkultur am Rande Europas hat Folgen gehabt. Nicht nur sind uns andere nachgereist, inzwischen werden wir auch aus Portugal angefragt. Gesucht werden Expertise und Vermittlung für eine Pückler-Ausstellung in Lissabon. Es soll dabei nicht zuletzt um Pücklers Bedeutung für die moderne Landschaftsarchitektur gehen. Wir freuen uns über diese Aufmerksamkeit. Vielleicht gelingt es ja, auch einmal die Gärten im Norden des Landes zu besuchen. Jede weitere Verbindung nach Portugal kann uns dabei helfen. Hubertus Fischer hat als Mitglied des Vorstands eine Einladung zu einer Tagung in Queluz (Lissabon) für 2021 angenommen.

Nicht weniger liegt uns seit unserer Gartenreise im September 2015 unser Nachbarland im Osten am Herzen. Das Gartenbuch der Izabela Czartoryska hat sich auch in Polen als Türöffner erwiesen, zuletzt zum Palais Działyński in Posens Altstadt. Michael Seiler hat angeregt, die Gartenideen, die die Czartoryska in ihrem Buch aufgenommen und ihren Zwecken anverwandelt hat, genauer zu untersuchen. Auch ein solches Gespräch können wir uns gut im Garten, etwa auf der Pfaueninsel vorstellen. Vielleicht fördert es Beziehungen zutage, die uns bisher entgangen sind. Wenn eine solche Veranstaltung möglich wird, wollen wir gut vorbereitet sein. Nicht nur Czartoryskas Mancherlei Gedanken über die Art und Weise, Gärten anzulegen wollen studiert, sondern auch Michael Seilers neues Pfaueninsel-Buch will gelesen sein. Exemplare sind noch vorhanden. Bücher im Sessel lesen und über Bücher im Garten sprechen – es könnte schlechter kommen.

Obwohl sich das Spazierengehen in der aktuellen Situation zu einer außerordentlich beliebten und für nicht allzu wenige Menschen sogar neu entdeckten Freizeitbeschäftigung entwickelt hat, bleiben entferntere Gärten nun meist nicht nur für uns unerreichbar. Aber der Garten war auch immer schon ein Sehnsuchtsort, den die Phantasie beim Lesen und dem Betrachten von Gartenbildern betrat. Auf unserer Website laden wir dazu ein, Magische Gärten mit der hervorragenden Arte-Fernsehserie zu erkunden. Unsere Empfehlungen richten sich vor allem auf Folgen zu Gärten, die wir in den vergangenen Jahren auch mit eigenen Augen gesehen haben: Retrospektive, Wissens- und Schauenswertes, das wir vielleicht schon wieder vergessen haben oder das uns neu ist, und ein wenig nostalgische Wehmut.

Was kann man mit der Pückler Gesellschaft in diesen Zeiten noch Nutzbringendes tun? Seit der (Wieder‑)Gründung durch Gartenfreunde und Kunst- und Gartenhistoriker wie Dr. Hans B. Jessen, den Charlottenburger Schlösserdirektor Prof. Dr. Martin Sperlich, den Richter Bogumil Maetzel oder den Gartenhistoriker Folkwin Wendland im Jahre 1979 können wir nunmehr auch schon wieder auf eine über vierzigjährige Vereinsgeschichte zurückschauen. Es scheint uns gerade jetzt der Zeitpunkt günstig, das bisher Geleistete neu in den Blick zu nehmen, um daraus nicht zuletzt Anregungen für die Zukunft zu schöpfen. Wir haben uns daher entschlossen, unsere bisherigen Unternehmungen, Exkursionen und Vorträge aufzuarbeiten. So beginnen wir beispielsweise mit der Digitalisierung der zum Teil schon seit langem vergriffenen Hefte unserer Reihe Mitteilungen der Pückler Gesellschaft. Wir stellen diese nachgefragten Publikationen im pdf-Format auf unsere Internetseite und eröffnen so einer breiten interessierten Öffentlichkeit den Zugriff auf diese wegen ihres breiten Spektrums und ihrer Bedeutung für die Garten- und Landschaftsforschung wichtigen Publikationen (https://www.pueckler-gesellschaft.de/mitteilungshefte.html). Einführungen und Informationen zu den einzelnen Mitteilungsheften werden Sie dann auch in unserem Veranstaltungsprogramm finden.

Unsere Website bietet – abgesehen vom unersetzbaren realen Besuch von Gärten – Platz für manches, so auch für die Besprechung neuer Gartenbücher. Karin Seeber hat eine lang ersehnte Studie über Marie Luise Gotheins Geschichte der Gartenkunst vorgelegt, den Klassiker, der bei vielen von uns im Bücherschrank steht. Der Verlag fragte die Pückler Gesellschaft um eine Rezension an, und dem werden wir, sobald das Buch gelesen ist, gern nachkommen. Sicher können hier noch weitere ‚grüne‘ Lektüren die Leselust unserer Mitglieder anregen. Vielleicht fühlt sich der eine oder die andere eingeladen mitzuwirken?      

Wir wollen aber auch die Beziehungen in der direkten Nachbarschaft pflegen. Mit der Theodor Fontane Gesellschaft ist eine Begegnung verabredet. Sie gäbe uns Gelegenheit, unsere Pückler-Fontane-Matinee 2019 in Schloss Schönhausen in direktem Austausch fortzusetzen. Eventuell käme dafür der Schlosspark Charlottenburg in Betracht. Ein Nebenzweck könnte sein, dass die Gesellschaften ein wenig voneinander lernen, wie Schwierigkeiten am besten zu überwinden sind. Jede angedachte Begegnung steht natürlich unter Vorbehalt. Aber was möglich ist, werden wir möglich machen. Einen Teil unserer Aufgaben können wir auch dadurch erfüllen, dass wir uns, wie im Fall der geplanten Ausstellung in Lissabon, als Ansprech- und Kooperationspartner zur Verfügung stellen. Angesprochen wurden wir auch wegen der Übernahme einer privaten Fachbibliothek zu historischen Gärten. Eine Lösung zeichnet sich ab. Unsere Vermittlung war nicht weniger gefragt, als es um die Suche nach einem Nachwuchswissenschaftler für einen Forschungsauftrag ging. Hier zeichnet sich ein neues Aufgabenfeld im Rahmen unserer Gesellschaftsziele ab.

Neu möchten wir auch die Frage angehen, wie die Aufgeschlossenheit gegenüber historischen Gärten gefördert werden kann. Je früher, desto besser, scheint uns eine gute Maxime zu sein. Wenn wir auch die Kontaktaufnahme zu den Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz pandemiebedingt noch zurückstellen müssen, so kam doch der Gedanke auf, Inken Formanns Gartenkunst für Kinder an Schulen zu vermitteln. Dafür sollen Lehrerinnen und Lehrer angesprochen werden, die auf der Grundlage dieses Lehrwerkes einen Versuch starten wollen. Begonnenes fortsetzen und Neues beginnen: das könnte gelingen. Vielleicht auch mit diesem Neuansatz in der schulischen Bildung.

 

Und nicht vergessen: ohne Mitgliedsbeiträge können wir selbst im coronalen Ausnahmezustand nicht arbeiten…

 

Seien Sie alle herzlich gegrüßt

 

Ihre Mitglieder des Vorstands

 

Mittwoch, 03. Februar 2021,

Gärten im Netz: Magische Gärten. Sezincode

Liebe Mitglieder der Pückler Gesellschaft, liebe Gartenfreunde,

wir können ja leider zurzeit nicht gemeinsame Exkursionen in historische Gärten unternehmen und uns dort von den zuständigen Mitarbeitern in die Konzeptionen der Gartenanlagen und die Ziele der jeweiligen Rekonstruktionsbemühungen einführen lassen. Wir haben uns daher entschlossen, sie auf die Gärten der empfehlenswerten Arte-Doku „Magische Gärten“ hinzuweisen.

 

Wer das Glück hatte auf der von Prof. Michael Seiler geleiteten Gartentour durch die englischen Gärten teilzunehmen, erinnert sich sicher noch an die grandiose Gartenanlage von Sezincode, Gloucestershire, die wir am 26.9.2008 besucht hatten.

wir beginnen mit Prof. Seilers Einführungstext vom

Sezincote

Der Name leitet sich vom Französischen her und bedeutet Eichenhang. 1795 kaufte der Oberst John Cockerell nach seiner Rückkehr aus Bengalen den Besitz. Er starb 1798 und hinterließ den Besitz seinem jüngeren Bruder Charles mit dem er zusammen für die Ostindien Compagnie tätig war. Dieser beauftragte einen weiteren Bruder, Samuel Pepys Cockerell, ihm ein Haus im indischen Stil zu errichten. Er war ein angesehener Architekt und Landmesser der Ostindien Compagnie und Schüler von Sir Robert Taylor, der auch der Lehrer von John Nash war. Das Haus war 1805 fertig. Im Inneren streng Klassizistisch folgt es im Äußeren dem Stil des Moghulherrschers Akbar (1556-1605),  der eine Mischung aus hinduistischen und muslimischen Elementen im Interesse einer kulturellen Integration beider Kulturen geschaffen hatte. Zwei Künstler von außerordentlicher Wirkungsbreite lieferten die Vorbilder für den Bau des Hauses und den Garten in Sezincote: Thomas Daniell (1749-1840) und sein Neffe William Daniell (1769-1837). Beide haben Indien 1785-1794 bereist. Von 1795-1808 veröffentlichten sie ingsesamt 6 Serien von je 24 Aquatinta-Blättern unter folgenden Titeln: I Oriental Scenery (1795), II Oriental Scenery (1797), III Qriental Scenery (1801), IV Twenty-Four Landscapes (1807), VI Hindoo Excavations (1803). Zu jeder dieser Serien erschien ein die Blätter erläuternder Text. Auf Thomas Daniell gehen die Entwürfe für die Gartenarchitekturen in Sezincote zurück. Karl Friedrich Schinkel kannte und benutzte das Werk der Daniells für seine Bühnenbilder zur Oper Nurmahal und für den Entwurf des Palmenhauses auf der Pfaueninsel (vgl. Seiler, Das Palmenhaus auf der Pfaueninsel, S. 12 ff). Sezincote blieb bis 1884 im Eigentum der Familie Cockerell und wurde dann von der Familie Dugdale erworben. 1944 kaufte es Sir Cyril Kleinwort. Nach eigenem Bekunden war der Gartenkünstler Humphry Repton an der Gestaltung des Gartens beteiligt Der Gartenkünstler Graham Stuart Thomas (1909-2003) leitete 1968 die Restaurierung der Gärten von Sezincote bei der er selbst und die Hausherrin frei interpretierend vorgingen.

Michael Seiler

 

Der folgende Text ist aus: V. Hammerschmidt, J. Wilke, Die Entdeckung der Landschaft, Stuttgart, 1990,  S.162-170.

 

Wir wünschen allen Gartenfreunden nun einen spannenden und informativen virtuellen Besuch in Sezincode:

Ihnen und allen anderen sei die Dokumentation auf ARTE empfohlen.

https://www.arte.tv/de/videos/076282-009-A/magische-gaerten/

Dienstag, 02. Februar 2021,

Gärten im Netz: Magische Gärten. Quinta da Regaleira.

Liebe Mitglieder der Pückler Gesellschaft, liebe Gartenfreunde,

wir können ja leider zurzeit nicht gemeinsame Exkursionen in historische Gärten unternehmen und uns dort von den zuständigen Mitarbeitern in die Konzeptionen der Gartenanlagen und die Ziele der jeweiligen Rekonstruktionsbemühungen einführen lassen. Wir haben uns daher entschlossen, sie auf die Gärten der empfehlenswerten Arte-Doku „Magische Gärten“ hinzuweisen.

Wer das Glück hatte 2016 auf der von Prof Hubertus Fischer geleiteten Gartentour durch die Gärten rund um Lissabon teilzunehmen, erinnert sich sicher noch an die grandiose Gartenanlage von Quinta da Regaleira

https://youtu.be/hfZFm5tOPo4?list=PLveV6PD48e9Kll5Rg_0-yizwsoFgDeapH

Dienstag, 19. Januar 2021,

Historische Gärten und Gesellschaft

Liebe Gartenfreunde, liebe Pückler Mitglieder,

die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten präsentiert auf Ihre Internetseite die  Tagung "Historische Gärten und Gesellschaft".

Verantwortung für (historische) Gärten weiterdenken

 

https://www.youtube.com/watch?v=GSgDstuGK44&list=PLnPCddOHzAt3QrK5gK3UDOxUVih3EsmHy&index=4

Sonntag, 17. Januar 2021,

Historische Gärten und Gesellschaft Wahrnehung

Liebe Gartenfreunde, liebe Pückler Mitglieder,

die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten präsentiert auf Ihre Internetseite die  Tagung "Historische Gärten und Gesellschaft".

Wahrnehmungen und Wirkungen von Gärten

https://www.youtube.com/watch?v=j7a8mt1iDOY&feature=youtu.be

 

Donnerstag, 14. Januar 2021, 16:00 Uhr

Pückler Afrika-Netzwerk Hinweis auf ZOOM Vorlesung

ZOOM-Empfehlung:

Fürst Pückler, Carl Jäger & Co. Ein internationales Netzwerk im 19. Jh.

Dienstag, 12. Januar 2021,

Historische Gärten und Gesellschaft im Dialog

Liebe Gartenfreunde, liebe Pückler Mitglieder,

die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten präsentiert auf Ihre Internetseite die Tagung "Historische Gärten und Gesellschaft".  Auf der Seite finden sich ebenfalls sehr gute digitale Präsentationen aller Gärten der SPSG.

Hier folgt der zweite Teil der Veranstalung:

Historische Gärten und Gesellschaft im Dialog

https://www.youtube.com/watch?v=6nLuC8UzQN4&feature=youtu.be

 

 

Montag, 11. Januar 2021,

Historische Gärten und Gesellschaft. Was heißt Gartenkultur heute?

Liebe Gartenfreunde, liebe Pückler Mitglieder,

die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten präsentiert auf Ihre Internetseite die Tagung "Historische Gärten und Gesellschaft". Was heißt Gartenkultur heute? 

Bei der ersten Sektion können Sie unter anderm unseren stellvertretenden Vorsitzenden Prof. Dr. Hubertus Fischer mit einem hoch aktuellen Statement hören.

https://www.youtube.com/watch?v=frerVkkoTm4&feature=youtu.be

 

Auf der Seite finden sich ebenfalls sehr gute digitale Präsentationen aller Gärten der SPSG.

www.spsg.de/ParkIsArt